Fotografieren mit Ultraweitwinkel

Heute zeige ich euch ein paar Bilder, die ich mit einem Ultraweitwinkel-Objektiv aufgenommen habe und erkläre die Besonderheiten, die es beim Einsatz solcher Objektive zu beachten gibt.

Mitte Juli habe ich mich an einem wolkigen, windigen Nachmittag der Marienkirche Oldendorf gewidmet. Zum ersten Mal übrigens, obwohl es sich hier um die Kirche in meinem Heimatort handelt - dieses schöne Motiv hatte ich bisher völlig vernachlässigt. Nicht ohne Grund habe ich zu Beginn des Beitrags die Wetterverhältnisse von diesem Tag beschrieben, denn bei Wolken und Wind fotografiere ich gerne mit voller Ausrüstung (soll heißen: Stativ und Graufilter) und mache Langzeitbelichtungen.

Für die Fotos der Oldendorfer Kirche habe ich ein Ultraweitwinkel-Objektiv benutzt, in diesem Fall das 10 - 18 mm von CANON. Falls ihr euch unter einem Ultraweitwinkel nichts vorstellen könnt, versuche ich kurz zu erklären, was damit gemeint ist: Man könnte sagen, dass es das Gegenteil von einem Super-Zoom-Objektiv mit einer großen Brennweite ist. Wenn man in ein Motiv hineinzoomt, bekommt man dieses größer abgebildet, hat aber dadurch logischerweise weniger "Drumherum" im Bild. Benutzt man sehr kleine Brennweiten, kriegt man mehr Weite ins Foto.

Ultraweitwinkel-Objektive werden bevorzugt in der Architektur- und Landschaftsfotografie eingesetzt. An der Oldendorfer Kirche ist beispielsweise kein ausreichender Platz vorhanden, um weit genug vom Motiv wegzugehen, dass dieses mit mittleren Brennweiten vollständig aufs Foto kommt. An diesem Nachmittag habe ich die 10 mm Brennweite vollständig ausgenutzt. Im Zusammenspiel mit dem Graufilter und Belichtungszeiten von um die 30 Sekunden kam dann der von mir beabsichtigte und immer wieder gern genommene Wolkenzug schön zustande:

Beim Fotografieren mit einem Ultraweitwinkel-Objektiv kommt es allerdings zu teilweise nicht erwünschten Nebeneffekten - in diesem Fall hatte ich es mit den sogenannten "stürzenden Linien" zu tun. Hierzu möchte ich auf weitergehende Erläuterungen verzichten, und einfach eins der Bilder im ursprünglichen Zustand zeigen - vermutlich wisst ihr dann, was "stürzende Linien" sind:

Durch meine Nähe zum Motiv und den Ultraweitwinkeleinsatz kippt die Kirche ziemlich heftig nach hinten weg, was um so extremer wird, je geringer die gewählte Brennweite ist. Ihr seht ja das Ergebnis bei 10 mm, was man aber zum Glück beheben kann. Mit Photoshop Elements konnte ich die Kirche später Stück für Stück aufrichten und so die Kameraverzerrung korrigieren. Diese Aktion funktioniert natürlich nur zu Lasten des gesamten Bildausschnittes, d.h. es gehen oben, unten, links und rechts Bildinformationen verloren. Bei diesem Foto habe ich einen hohen Korrekturfaktor gewählt, da die Verzerrung schon arg war. Man muss beim Korrigieren sehr darauf achten, dass man es nicht übertreibt und am Ende das Motiv nicht mehr vollständig im Bild zu sehen ist. In diesem Fall wurde es mit der Kirchturmspitze knapp, sonst hätte ich gerne noch etwas mehr korrigiert.

 

Ein kleiner Tipp noch dazu: Wenn man solche Fotosituationen hat, wo man beim Fotografieren schon weiß, dass man eine Kameraverzerrung korrigieren muss, dann sollte man direkt drauf achten, dass man -wenn möglich- außen um das Hauptmotiv herum entsprechend viel Luft lässt. Auf diese Weise hat man später am PC alle Möglichkeiten.

Zum Abschluss dieses Beitrages zeige ich nochmal beide Bilder im direkten Vergleich. Man sieht deutlich, dass sich die Nachbearbeitung sehr gelohnt hat - die Kirche steht so gut wie aufrecht. Achtet auch gerne mal auf die beiden Laternenmasten, wie schief diese ursprünglich im Bild stehen - auch sie sind nun wieder senkrecht, wie sich das gehört.

 

Was ebenfalls deutlich wird, sind die Auswirkungen der Bearbeitung auf das Gesamtbild. Die Kirche füllt das Bild jetzt vollständig aus und drumherum ist nicht mehr viel Platz.

Übrigens, noch ein gut gemeinter Tipp, der mir gerade noch einfällt: Anhand meiner Beschreibungen für den Einsatz von Ultraweitwinkel-Objektiven könnte man jetzt auf die Idee kommen, dass sich so etwas auch gut eignet, um größere Personengruppen zu fotografieren - oder aber Personengruppen in engen Innenräumen. Seid vorsichtig damit, sonst verliert ihr eventuell ein paar Freunde!

 

Ihr könnt an dem Kirchenfoto sehr schön sehen, dass das Motiv nicht nur nach hinten kippt, sondern auch in der Breite verzerrt dargestellt wird. Dieser Effekt tritt logischerweise auch beim Fotografieren von Personen auf, insbesondere wenn diese an den äußeren Bildrändern stehen. Glaubt mir, so möchte sich niemand auf Bildern sehen! Wenn ihr Personen mit Ultraweitwinkel fotografiert, dann haltet ausreichend Abstand und seht zu, dass sich die Personen möglichst in der Mitte des Bildes aufhalten. Dort sind die Verzerrungen am geringsten.